„Historisches Misstrauensvotum“ IG Metall Rosenheim beschließt Resolution gegen den Abbau des Sozialstaats

Deutliches Signal aus Traunreut: IG Metall Rosenheim beschließt Resolution gegen den Abbau des Sozialstaats und den Angriff auf den 8-Stunden-Tag

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30. Juni 2025 30. Juni 2025 |
Aktualisiert am 12. Juni 2026 12. Juni 2026


Auf unserer Delegiertenversammlung im Kultur- und Veranstaltungszentrum K1 in Traunreut haben wir ein unmissverständliches Signal des Protests in Richtung der Bundespolitik gesendet. Im Zentrum der Beratungen des höchsten beschlussfassenden Organs der regionalen Gewerkschaft stand das zentrale Motto: „Stark im Betrieb – stark im Sozialstaat“. Unsere Delegierten machten deutlich, dass die Interessen von tausenden Beschäftigten in den Industrie- und Handwerksbetrieben zwischen Inn und Chiemgau nur dann geschützt sind, wenn sowohl die tariflichen Rechte vor Ort als auch die gesetzlichen Schutzmauern in Berlin stehen.

In einer interaktiven Debatte brachten unsere Delegierten per digitaler Live-Abfrage ihre tiefe Frustration über die aktuellen Pläne der Bundesregierung zum Ausdruck. Das Ergebnis glich einem politischen Paukenschlag: Das Vertrauen der betrieblichen Praktiker in die Berliner Sozialpolitik stürzte in der anonymen Abstimmung live im Saal unter die 20-Prozent-Marke. In einer zeitgleich erstellten Wortwolke auf der Großleinwand dominierten Begriffe wie „Dauerdruck“, „Ausbeutung“ und „Burnout“ als Beschreibung für die geplanten Gesetzesänderungen.

 

Frontalangriff auf den Feierabend

„Die Rhetorik aus Berlin kommt bei unseren Arbeitgebern in der Region bereits als Steilvorlage an“, warnte Florian Bauer, 1. Bevollmächtigter. „In den Betrieben wird versucht, bestehende Schutzrechte zu schleifen, indem man eine wirtschaftliche Krisenstimmung herbeiredet. Das Aufweichen des Arbeitszeitgesetzes hin zu wöchentlichen statt täglichen Höchstarbeitszeiten ist ein reiner Kniefall vor den Arbeitgeberverbänden. Das ist ein Frontalangriff auf den verdienten Feierabend und die Gesundheit der Beschäftigten. Das Arbeitszeitgesetz ist kein wirtschaftliches Hemmnis, sondern ein unverzichtbares Gesundheitsschutzgesetz!“

Unterstützung erhielt die IG Metall von Tamara Pohl, der DGB-Regionsgeschäftsführerin, die als Interviewgast auf dem Podium deutliche Worte für den Berliner Kurs fand: „Was wir erleben, ist ein brandgefährlicher Kurswechsel auf dem Rücken derer, die diesen Laden jeden Tag am Laufen halten. Wer glaubt, man saniert eine Wirtschaft, indem man den Sozialstaat demontiert und die Menschen bis zum Umfallen auspresst, gefährdet am Ende die demokratische Stabilität in unserem Land.“

Bettina Thurl, 2. Bevollmächtigte, machte zudem die Tragweite für tarifgebundene Betriebe deutlich: „Das Arbeitszeitgesetz ist das gesetzliche Fundament für alle Beschäftigten. Wenn diese Mauer wegbricht, erhöht das den Druck auf unsere starken Tarifstandards massiv. Wir verteidigen den 8-Stunden-Tag deshalb kompromisslos für alle Kolleginnen und Kollegen in der Region!“

 

Resolution fordert Kurswechsel von regionalen Abgeordneten

Einstimmig verabschiedete unsere Versammlung eine Resolution, die noch am selben Abend als offizielles Schreiben an die Bundestagsabgeordneten der Wahlkreise Rosenheim und Traunstein versandt wurde. Darin fordert die Gewerkschaft die regionalen Abgeordneten nachdrücklich auf, im Bundestag gegen die Aufweichung des 8-Stunden-Tages zu stimmen und den sozialen Kahlschlag zu stoppen. Auch den Debatten um eine „Rente mit 68 oder 70“ erteilte die Versammlung eine klare Absage. Aus der betrieblichen Realität der oberbayerischen Fertigungsbetriebe hieß es dazu von unseren Delegierten: „Die Menschen sind mit 60 körperlich und psychisch durch. Länger arbeiten zu fordern, ist ein blanker Rentenklau.“

 

Zum Abschluss der Debatte setzten die Delegierten ein weithin sichtbares Zeichen der Geschlossenheit: Gemeinsam erhoben sich die Delegierten von ihren Plätzen und zeigten der Bundespolitik und den Arbeitgebern mit symbolischen, selbstgewählten Protestschildern – wie der roten Stopp-Hand oder einer leergesaugten Batterie – die Rote Karte.

 

Wir haben ebenfalls angekündigt, den Abgeordneten eine Frist zur Stellungnahme bis zum 10. Juli 2026 zu setzen. Die Antworten – oder das Schweigen – der Politiker werden den Mitgliedern in den regionalen Betrieben transparent zur Verfügung gestellt.